Start auf dem Tanker oder im Schnellboot?

Computerwoche.de - 2006/08

Marc Voland

Jeder, der in einer Unternehmensberatung arbeiten möchte, sollte sich die Frage, ob er in einen Konzern oder bei einem Mittelständler tätig sein will, genau überlegen. Die Unterschiede können nämlich erheblich sein.

Robert Duisberg hat beide Seiten kennen gelernt. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften und anschließender Tätigkeit in der Zentrale der Deutschen Bank kletterte der heute 45-Jährige bei einem großen, internationalen Beratungsunternehmen die Karriereleiter bis zum Partner hoch, bis er nach 15 Jahren Zugehörigkeit kurzfristig die Leitung eines Familienbetriebs übernehmen musste.

Vorteile einer kleinen Beratung

Heute nun arbeitet Duisberg wieder im Consulting-Geschäft - bei der Insentis GmbH, einer zwölf Mann starken Management-Beratung in Geisenheim bei Frankfurt am Main. Er verantwortet dort unter anderem den Bereich Prozess-Management. Dass er sich jetzt für eine kleine Unternehmensberatung entschieden hat, hängt vor allem mit der Unmittelbarkeit der Arbeit zusammen: "Ich habe mir überlegt, zurück zu einem großen Beratungshaus zu gehen. Aber mir hat etwas gefehlt. Mit zunehmendem Aufstieg entfernt man sich von der eigentlichen Tätigkeit. Und das, obwohl man durch zunehmende Praxis aus einen immer größeren Erfahrungsschatz schöpfen kann", so Duisberg.

Wer nach seinem Hochschulstudium oder nach einigen Jahren Berufstätigkeit in die Beratung wechseln möchte, steht zwangsläufig vor der Entscheidung: große oder kleine Firma. Von den 14 000 Beratungsunternehmen in Deutschland (15 700 Unternehmen, zählt man beratungsnahe Dienstleistungen wie IT-Integration oder Outsourcing dazu) setzen 50 Firmen 45 Millionen Euro und mehr um, 12 000 Firmen bewegen sich bei bis zu einer Millionen Euro Umsatz, wie eine aktuelle Studie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) ergab. Ausgedrückt in Arbeitsplätzen: Bei den 50 großen Unternehmen arbeiten rund 22 700 Berater, bei den 12 000 kleinen rund 25 800.

Die Frage der Größe des Arbeitgebers stellte sich für Ulrike von Heinemann nach ihrem Studium nicht. Sie zog es in eine große Beratung, weil sie sich einen Überblick über die verschiedenen Berufsbilder machen wollte. "Eine kleine wäre mir zu speziell gewesen. Ich wollte schnell unterschiedliche Themen, Kunden und Industrien kennen lernen", so von Heinemann, die nun seit sechs Jahren bei dem weltweiten Management- und IT-Beratungsunternehmen Capgemini arbeitet.

"Für Berufseinsteiger ist es einfacher bei einer großen Beratung unterzukommen", so Personalexperte Hassa. Zwar halten sich die Beraterzahlen bei den großen und den kleinen Unternehmen ganz grob die Waage. "Kleine Unternehmen stellen aber kaum Berufsanfänger ein." Mitarbeiter müssen bei den Unternehmen, die sich häufig in einer Nische spezialisiert haben, mit Expertenwissen aufwarten. "Wer dorthin möchte, sollte am besten drei oder mehr Jahre Berufserfahrung mitbringen", so Hassa.

Das bedeutet nicht, dass bei großen Beratungshäusern keine Experten arbeiten. "Vor allem Beratungen, die auch die Umsetzung übernehmen, legen großen Wert auf erfahrene Mitarbeiter. So bringen bei Capgemini etwa 60 Prozent der Neuzugänge Berufspraxis mit. Und sie kanalisieren ihren eigenen Nachwuchs, der reichlich vorhanden ist, besser. Hassa: 'Up or out' heißt die Regel, die auch heute bei vielen der großen Beratungshäuser gilt. Wer nach einer gewissen Zeit auf einer Karrierestufe stehen bleibt, muss sich nach einer neuen Stelle umschauen."

Je größer, desto mehr Regeln

Damit eine Einstellung ein Erfolg wird, müssen Bewerber und Unternehmer zueinander passen. Nicht jeder Mitarbeiter fühlt sich in einem großen Unternehmen mit einer eher reglementierten, arbeitsteiligen Corporate-Umgebung wohl. "Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Strukturen muss es aufbauen und pflegen", so von Heinemann. "Dafür kann es sich aber auch beispielsweise ein großes, internationales Netzwerk leisten."

Genauso ist nicht jeder für ein kleines Unternehmen geeignet. "Wer nicht lange Zeit mit dem gleichen Team zusammenarbeiten möchte, oder sich nicht daran gewöhnen mag, dass ein Berater bei einem kleinen Unternehmen schnell die Verantwortung auch für komplett neue Bereiche wie etwa das Business Development übernehmen muss, stößt schnell an seine Grenzen", sagt Duisberg. Neben der Berufserfahrung hängt die Entscheidung also vor allem von einem ab: der Persönlichkeit des Beraters.

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Komplexität Managen

„Die Schwerpunkte der Insentis sind die Strategieentwicklung, das persönliche Coaching und das gezielte Managen von großen Projekten in komplexen Situationen.“

Dr. Roland Schütz, EVP Information Management & CIO Deutsche Lufthansa AG über die Zusammenarbeit mit der Insentis GmbH