Neun Schritte zum digitalen Stadtwerk

Pressemitteilung, 10. Februar 2017

Geisenheim, 08.02.2017. Wer als Stadtwerk oder Regionalversorger auf dem Markt bestehen will, muss digital werden und seine Prozesse, Produkte und Services aktuellen Herausforderungen anpassen. Das Zauberwort heißt „Change“. Doch wie kann David gegen Goliath bestehen? Markus Rücker von der Managementberatung Insentis weiß, wie Digitalisierung gelingt. Sein Credo: Mit Blick auf das Ganze planvoll und Schritt für Schritt vorgehen und dabei die Mitarbeiter mitnehmen. Lieber als Zweiter das Ziel erreichen, statt als First-Mover unterzugehen. Ein Leitfaden für Stadtwerke und Regionalversorger auf dem Weg zur erfolgreichen Digitalstrategie.

Die Energiewirtschaft steht unter Druck. Und ist in Bewegung. Und nicht zuletzt ist sie in Bewegung, weil sie unter Druck steht. Mit wachsender Digitalisierung treten Stadtwerke und Kommunalversorger plötzlich nicht nur mit überregionalen Energieanbietern, sondern auch Spielern aus ganz anderen Bereichen in direkten Wettbewerb. Und während die finanziell und personell gut gepolsterten Top-Player Digitalstrategien entwerfen und Tools entwickeln und ausprobieren, zwängt der engere Spielraum Stadt- und Regionalversorger in ein Korsett: Standort, Mitarbeiter und Geschäftsmodell geben den Rahmen für Investitionen in die Digitalisierung vor.

Doch muss das ein Nachteil sein? Kann man nicht sogar einen Vorteil daraus ziehen, wenn man das digitale Ausprobieren und Implementieren, das Experimentieren und Verwerfen den Großen überlässt und dann gezielt erfolgsversprechende Ansätze selbst verfolgt, wenn die Zeit soweit ist? Markus Rücker von der Managementberatung Insentis beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. Ein „Second-Mover-Ansatz“ sei laut Digitalisierungsexperte Rücker für die meisten kleinen und mittleren Versorger der richtige und meistens auch der einzig gangbare Ansatz. Wichtig dabei sei es, die Ressourcen möglichst optimal einzusetzen. Das bedeutet im ersten Schritt, die technischen, prozessualen und organisatorischen Grundlagen zu legen, um den Wandel vorzubereiten. Sein Ansatz für kleine und mittlere Stadt- und Regionalversorger in neun Schritten:

  1. Digitalisierung verstehen
    Die Digitalisierung verändert Geschäftsprozesse, Produkte und Dienstleistungen in der Energiewirtschaft fundamental. Doch wie genau wirkt sich das aus? Will das Unternehmen von den Transformationen profitieren, muss es sich radikal auf den Prüfstand stellen. Nur eine ganzheitliche Betrachtungsweise offenbart alle Aspekte der Digitalisierung. Dies stellt sicher, dass die Grundlagen zukunftsfähig gelegt und Prioritäten klar erkannt werden. So reagiert der Anbieter schnell auf relevante Trends.

  2. Ziele definieren
    Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Welches Ziel aber wird mit der Digitalisierung verfolgt? Dabei steht das Stadtwerk zwischen Versorgungssicherheit und Gewinnerwartungen, zwischen Status Quo und Expansion. Worin soll die Digitalisierung des Unternehmens münden? Diese Phase der Definition ist vielleicht die schwerste – und entscheidende, da strategische Entscheidungen getroffen werden. Entscheidend ist es, der Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Dienstleistungen eine angemessene Priorität einzuräumen – finanziell und personell. Dies gilt insbesondere für die Führungsebene, ohne die kein erfolgreicher Wandel möglich ist.

  3. Grundlagen schaffen
    Auf Grund der definierten Ziele sollte dann eine priorisierte Road-Map erstellt werden, die die digitalen Initiativen treibt und ihnen einen gemeinsamen Rahmen gibt. Zu den Grundlagen, die zuerst behandelt werden sollten, gehören verschiedene Elemente. Um sich die Digitalisierung zu eigen zu machen, braucht jedes Unternehmen eine saubere Datenbasis. Denn die ist ebenso die Voraussetzung für eine gezielte Kundenansprache und Kommunikation wie für neue Services und Produkte. Customer Relationship Management-Systeme (CRM) sind mittlerweile unerlässlich, um eine mit den großen Anbietern vergleichbare Servicequalität zu liefern. Ebenso muss in den Prozessen und der Organisation eine digitale und kundenorientierte Denkweise verankert werden. Dies ist die langwierigste und komplizierteste Aufgabe. Insbesondere hier gilt es nach Priorität vorzugehen und auf keinen Fall alles auf einmal machen zu wollen.

  4. Markt beobachten, abwägen, entscheiden
    Stadtwerke und Regionalversorger sollten aufmerksam den Markt beobachten und erfolgversprechende Ansätze scannen. Erst nach sorgfältiger Kalkulation sollten eigene Piloten gestartet werden. Diese sind dann die Grundlage, um zügig darüber zu entscheiden, ob es sich lohnt, ein Projekt auszurollen. Lieber als Second-Mover erfolgreich am Markt bestehen als selbst für teure Fehler bezahlen.

  5. Partner einbinden
    Der Markt für IT-Lösungen ist extrem differenziert. Von der Auswahl des geeigneten CRM-Systems bis zur Beauftragung von App-Entwicklern – Energieversorger brauchen Partner, die auf die Größe und Anforderungen des EVU zugeschnitten sind. Auch hier bietet die Digitalisierung eine Chance. Denn über skalierbare Systeme lassen sich Tools nutzen, die bisher großen Spielern vorbehalten waren. So bieten die meisten CRM-Anbieter mittlerweile eigene Module für Advanced Analytics und sogar Schnittstellen für künstliche Intelligenz an.

  6. Mitarbeiter gewinnen
    Stadtwerke und Regionalversorger bewegen sich im angespannten Personalmarkt und buhlen mit internationalen Konzernen um IT-Experten. Dabei müssen sie sich mit einem teils wenig attraktiven Standort und einem eher konservativen Image der Energiewirtschaft behaupten. Hier bietet es sich an, auf Stärken wie Jobsicherheit aufzubauen und dazu die Attraktivität zu steigern, in dem man sich mit interessanten Themen befasst und entsprechende Freiräume schafft.

  7. Mitarbeiter halten und fördern
    Keine Digitalisierung ohne Menschen. Qualifizierte Experten sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalstrategie. Es gilt, IT-Experten im Unternehmen zu halten und ihr Wissen umzusetzen. Nur wer seine Mitarbeiter als wertvolles Gut behandelt, hält sie im Unternehmen. Hier kann ein Coaching-Ansatz von Partnern sinnvoll sein. Auf diese Weise sind Mitarbeiter zum einen von Beginn an in die Lösung eingebunden, gleichzeitig findet ein Wissensaufbau statt, der sonst schwer zu erreichen wäre. Das steigert die Akzeptanz und beflügelt den Kulturwandel.

  8. Produktiv arbeiten in Teams
    Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens hängen bei weitem weniger an der Leistung Einzelner als an funktionierenden Teams. Projektmanagement heißt heute Teamarbeit. Erst wenn Teams in die Lage versetzt werden, produktiv und frei zu agieren, haben sie die Umgebung, um Großes zu leisten. Auch hier liefert die Digitalisierung mit dem Schlagwort Collaboration, also Zusammenarbeit, neue Möglichkeiten.

  9. Wissen aufbauen und teilen
    Wissensmanagement gehört zu den entscheidenden Faktoren der erfolgreichen Digitalisierung. Expertenwissen darf unter keinen Umständen mit scheidenden Mitarbeitern das Unternehmen verlassen. Dafür hat das Unternehmen Vorsorge zu tragen, moderne Knowledge-Management-Systeme unterstützen dabei.

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